Konsens

Konsens auszuhandeln ist keine einmalige oder einseitige Sache (wie einen Vertrag zu unterschreiben), sondern fortwährende, gemeinschaftliche und wechselseitige Kommunikation. Konsensualer Sex bedeutet, dass alle Beteiligten Verantwortung dafür übernehmen, sowohl ihre eigenen Grenzen und die der anderen, als auch ihr Begehren herauszufinden und zu respektieren.

Wahrscheinlich haben wir alle schon einmal den Slogan “Nein heißt Nein!” gehört. Obwohl das vollkommen richtig ist (Nein bedeutet Nein und nichts anderes, niemals!), macht dieses Mantra die Person, die etwas unerwünschtes erlebt, dafür verantwortlich, es zu stoppen – anstatt an alle Beteiligten zu appellieren, sicher zu stellen, dass alle ihre Handlungen auch erwünscht sind – und zwar, BEVOR sie etwas tun.

Die Medien erzählen uns, dass sexuelle Übergriffe von schlechten Menschen begangen werden. Wenn ich also davon überzeugt bin, kein schlechter Mensch zu sein, gehe ich auch automatisch davon aus, niemals sexuell übergriffig handeln zu können. Aber die Realität sieht anders aus: Ich kann absolut kein schlechter Mensch sein und trotzdem ernsthaften Schaden anrichten. Wenn ich die Zustimmung der anderen Person voraussetze, solange ich kein deutliches “Nein” höre, wenn ich Schweigen als Konsens interpretiere, dann riskiere ich, die Person zu verletzen.

Wenn uns Hollywood etwas über Konsens gelehrt hat, dann, wie scheinbar heiß und normal (um nicht zu sagen geradezu orgasmisch!) es ist, beim Sex so zu tun, als könnten wir Gedanken lesen. Aber wie bei den meisten Dingen, die wir von Hollywood gelernt haben, ist diese Idee von Konsens extrem problematisch. In der Realität ist es auf jeden Fall der bessere und sicherere Weg, mit unseren Partner_innen, Lovern oder Gespiel_innen darüber zu sprechen, was sie und wir möchten, brauchen und begehren.

In den letzten Jahren wurde “Konsens” in vielen sex-positiven, feministischen und queeren Kreisen von  der Idee des “enthusiastischen Konsens” abgelöst. Enthusiastischer Konsens bedeutet nicht nur, einer Handlung zuzustimmen, sondern sie aktiv zu wollen oder zu begehren – so wie der Unterschied zwischen “Ja, ok.” und “JA, unbedingt!”.

Es kann sich komisch anfühlen, über Sex und Konsens zu sprechen, vielleicht fühlst du dich auch zu schüchtern dafür (das liegt dann wohl teilweise auch an dem wortlosen, aber trotzdem perfekten Sex, den wir in Filmen zu sehen bekommen). Wenn es dir schwer fällt oder peinlich ist, eine solche Konversation zu führen oder anzufangen, denke daran, dass es im Endeffekt darum geht, die andere Person zu respektieren und dass du mit deinen Fragen (oder Antworten) ausdrückst, dass dir das Wohlergehen und Vergnügen der anderen Person am Herzen liegt – und das ist es auf jeden Fall Wert, über den eigenen Schatten zu springen!

Other Nature veranstaltet regelmäßig Workshops zu Kommunikation und Konsens. Wirf einen Blick auf das Workshop Angebot, um auf dem Laufenden über die nächsten Workshop-Themen zu bleiben. Auf Anfrage organisieren wir auch gerne einen privaten Workshop zu Kommunikation und Konsens für dich und deine Freund_innen.