Sexualität und Älterwerden

Viele Dinge verändern sich, wenn  wir älter werden, zum Beispiel unsere Haarfarbe oder unser Musikgeschmack – und unsere Sexualität bildet da keine Ausnahme. Leider leben wir in einer Welt die uns einredet, diese Veränderungen seien schlecht.

In unserer Gesellschaft wird sowohl sexuelles Verlangen als auch sexuelle Anziehungskraft mit Jungsein in Verbindung gebracht. Durch die Vorstellung der “tickenden biologischen Uhr” wird weibliche Sexualität zu etwas endlichem, etwas, das (mit dem Alter) aufhört. Das kann im mittleren Alter zu irrationalen und nahezu verzweifelten die Sexualität betreffenden Entscheidungen führen. (Auf deutsch gibt es dafür auch den Ausdruck „Torschlusspanik“.)

Ältere Frauen, die sexuelles Verlangen zeigen, werden in der Popkultur oft verspottet, wohingegen das Bild des “geilen alten Bockes” die Sexualität älterer Männer mit Laszivität gleichsetzt.

Ich verändere mich mit der Zeit

Bestimmte körperliche Zeichen von Erregung, so wie die Erektionsfähigkeit und das Feucht-Werden, verändern sich mit dem Alter. Das sind auch bei weitem nicht die einzigen Dinge, die sich verändern:  Wie oft und wie stark wir erregt sind oder sexuelles Verlangen verspüren, an welchen sexuellen Aktivitäten wir interessiert sind, welche sexuellen Vorlieben wir haben, zu welchen Personen und Geschlechtern wir uns hingezogen fühlen, wie und wie sehr wir Sex genießen,  welche Fantasien wir haben, wie oft und auf welche Weise wir masturbieren und die Häufigkeit und Intensität unserer Orgasmen, all das kann sich verändern, wenn wir älter werden - und diese Dinge können sich im Lauf eines Lebens auch durchaus mehrmals ändern.

Einige Menschen haben bis zu ihrem Lebensende ein aktives und erfüllendes Sexualleben, allein oder mit anderen. Andere haben das nicht, und wollen es vielleicht auch gar nicht: So wie alles, was mit der Sexualität zusammenhängt, ist das absolut abhängig von der jeweiligen Person und allein ihre Sache.

Was sich durch die Menopause verändert

Während und nach der Menopause produziert der Kröper weniger Östrogen, Progesteron und Testosteron und diese Veränderungen im Hormonhaushalt haben für gewöhnlich spürbare Auswirkungen. Während der Perimenopause (die 2-10 Jahre bevor die Periode komplett aufhört),  können Hitzewallungen, Nachtschweiß und Stimmungsschwankungen auftreten.) Bei einigen, aber nicht allen Menschen, verringert sich die Libido während oder nach der Menopause.

Häufig führen die Veränderungen im Hormonhaushalt zu Scheidentrockenheit/trockenen Schleimhäuten: Die Vagina ist weniger feucht als vor der Menopause und das Sekret, das sie produziert, ist eher dünnflüssig. Da kann es helfen, mehr und/oder ein dickflüssigeres und lange gleitfähiges Gleitmittel zu verwenden, um Beschwerden die durch die Trockenheit hervorgerufen werden, entgegenzuwirken. Gleitmittel, die auf Silikon oder Öl basieren, bleiben besonders lange gleitfähig. Unabhängig von sexuellen Kontakten kann es dir helfen, zum Beispiel nach dem Duschen regelmässig Gleitmittel auf deine Vulva und dein Perineum aufzutragen. Du kannst das Gleitmittel auch in die Haut einmassieren und damit die Durchblutung der Region anregen.  

Die Menopause und das Älterwerden im Allgemeinen kann auch die Vulva selbst verändern, sie verliert ihre Fettpolster. Die Haut verliert (wie auch im Rest des Körpers) an Elastizität, wodurch sie leichter einreißt – ein weiterer guter Grund, eine extra Portion Gleitmittel zu verwenden! Die Vagina tendiert auch dazu, kleiner zu werden und sowohl die Scheidenwände als auch die Schamlippen werden dünner. Eine Hormonersatztherapie kann all diese Symptome verringern, oder eine Östrogencreme zum Auftragen auf die Haut. Östrogencreme hat den Vorteil, dass sie nur örtlich wirkt und den Östrogenspiegel im Blut nicht beeinflusst, weshalb sie auch problemlos von transmaskulinen Personen verwendet werden kann, da sie keine anderen östrogenbedingten Veränderungen hervorruft.



Auch Penisse altern

Auch Menschen mit Penissen werden mit zunehmendem Alter Veränderungen in der Art, wie ihr Körper sexuell reagiert, feststellen. Erektionen sind für gewöhnlich nach dem 50. Lebensjahr weniger steif als in jüngeren Jahren und auch der Erektionswinkel lässt nach. Häufig ist auch mehr direkte genitale Stimulation nötig, um eine Erektion zu bekommen. Ejakulationen werden tendenziell schwächer und vielleicht braucht dein Körper auch längere Pausen zwischen einem Samenerguss und dem nächsten. Auch die Libido kann im Alter nachlassen und das sexuelle Verlangen wird weniger intensiv und/oder seltener.

Die Beckenbodenmuskulatur spielt auch bei Menschen mit Penissen eine Rolle: ein trainierter Beckenboden kann – ebenso wie allgemeine körperliche Fitness – dazu beitragen, auch im Alter ein erfülltes Sexleben genießen zu können. Weitere Informationen zum Beckenboden und wie du ihn trainieren kannst findest du hier.

Alterskrankheiten

Einige Krankheiten, die im Alter häufig auftreten, so wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Kreislaufprobleme haben eine schlechtere Durchblutung zur Folge, was wiederum zu einer verringerten Empfindsamkeit führt. Das hat natürlich einen Einfluss darauf, was sich sexuell stimulierend und gut anfühlt. Viele Medikamente beeinflussen außerdem direkt das sexuelle Verlangen und auch die sexuellen Körperfunktionen. Falls du verschreibungspflichtige Medikamente einnimmst, sollte dein_e Ärzt_in in der Lage sein, alle Nebenwirkungen mit dir zu besprechen und dir helfen, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Sex nach deinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen

Die Veränderungen, die dein Körper oder der Körper deines_r Sexualpartner_in, durch das Älterwerden erfahren hat, können bedeuten, dass Sex nun ganz anders geht, als vor 20 Jahren. Die leider übliche limitierte Definition von Sex als “Penetration der Vagina durch den Penis bis zum Samenerguss” schränkt alle ein. Der kulturelle Druck, diese Art von Sex zu haben, ist besonders für Menschen, für die diese Form eben aufgrund der Veränderungen, die das Alter mit sich bringt, ein Problem.

Seltene und weichere Erektionen, sowie eine erhöhte Empfindlichkeit der Vagina, durch die Penetration schmerzhaft sein kann, müssen aber keineswegs das Ende von Sex an sich bedeuten. Ganz im Gegenteil kann das eine Möglichkeit sein, Sex kreativ zu gestalten und das weite Spektrum an Opionen zu erforschen, in dem eine, zwei oder mehrere Personen zusammen sexuelle Intimität, Begehren und Genuss erleben können. Suchst du eine Person, mit der du darüber sprechen kannst, wie du dein sexuelles Repertoire besonders im Alter erweitern und verändern kannst, stehen dir die Other Nature-Berater_innen dafür sehr gerne mit ihrem Wissen zur Verfügung.

Älter und weiser?

Ältere sexuell aktive Personen, und damit auch ihre Sexualpartner_innen, genießen aber auch viele Vorteile: Viele Menschen erleben sich im Alter sexuell selbstbewusster und berichten, dass ihre Fähigkeit, sexuell zu genießen mit dem Älterwerden gestiegen ist. Mit so vielen Jahren der Erfahrung kennen wir unsere Körper mit 60, 70 oder 80 um so viel besser als noch mit 20, 30 oder 40. Egal, ob wir mit einer einzigen Person Sex hatten oder mit vielen, unsere Fähigkeit, unsere sexuellen Wünsche und Vorlieben zu kommunizieren und die von anderen Personen zu erkennen, kann über die Zeit ebenfalls enorm wachsen.

Viele Menschen berichten davon, wie sich ihr Sexleben im Alter um Einiges verbessert hat, aufgrund von mehr Zeit, die nach der Rente zur Verfügung steht, weniger Verantwortung wenn die Kinder aus dem Haus sind, sich keine Sorgen mehr über Verhütung machen zu müssen, wenn die Menopause eingesetzt hat und  einem größerem Selbstbewusstsein, sowie weniger Sorgen darüber, was andere über sie denken mögen.

Other Nature hat schon viele Leute zwischen 8 und 88 dabei unterstützt, ihre Sexualität zu erforschen und wir sind fest davon überzeugt, dass es da kein richtig oder falsch gibt. Egal, ob du auf der Suche nach einem feuchtigkeitsspendenden Bio-Gleitgel bist oder ob du diese verbundene Augen-Phantasie ausleben möchtest, die du nun schon seit 50 Jahren hast – bei uns bist du richtig und willkommen.