Geschlechtsidentität & Gender Expression

“Es ist ein Mädchen!” oder “es ist ein Junge!” ist oft das Erste, was wir über ein neugeborenes Baby erfahren. Weil diese Label dem_der Neugeborenen einfach gegeben wird, wird es als “zugeschriebenes Geschlecht” (assigned gender) bezeichnet. Im Gegensatz dazu beschreibt die “Geschlechtsidentität” das Geschlecht, als das wir uns fühlen oder von dem wir einfach wissen, dass es unser Geschlecht ist. Es gibt Menschen, die aufwachsen und das ihnen zugeschrieben Geschlecht stellt sich als das für sie Passende heraus. Sie fühlen sich wohl mit dem ihnen zugeschriebenen Geschlecht und denken vielleicht noch nicht einmal darüber nach. Für andere aber ist das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht das Richtige. Es fühlt sich unpassend an, ungut oder schlicht und einfach falsch.

Menschen, deren Geschlechtsidentität von dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde, abweicht, verstehen sich häufig als transgender oder trans*. Umgekehrt meint der Begriff cisgender (cis) die, bei denen das bei der Geburt zugeschriebene Geschlecht und die Geschlechtsidentität zusammenpassen.

Transgender, oder kurz trans* ist ein Überbegriff, der eine ganze Reihe von Identitäten umfassen kann. Männer, Frauen, genderqueer, non-binaries (also Menschen mit Geschlechtsidentiäten jenseits des binären Geschlechtersystems), Transmänner, transmännlich, transmaskulin, Transfrauen, transweiblich, transfeminin, transsexuell, mtf (male-to-female), ftm (female-to-male), genderfluid, ohne Gender, omnigender, ein drittes Geschlecht, Two-spirit sind einige, aber nicht alle Selbstbezeichnungen, die unter trans* fallen können.

Zwei Geschlechter oder ein Spektrum?

In westlichen Kulturen wird Geschlecht für gewöhnlich im Rahmen der Zweigeschlechtlichkeit gedacht, d.h. in diesem Verständnis gibt es nur zwei Geschlechter - männlich und weiblich, die als Gegensätze verstanden werden. In der Realität gibt es jedoch viele Menschen, die ihr Geschlecht weder als männlich noch als weiblich oder sowohl als männlich als auch weiblich erleben oder diese Kategorien treffen gar nicht zu. Die Geschlechtsidentität ist auch nicht unbedingt fix oder unveränderlich: sie kann sich im Laufe des Lebens eines Menschen verändern, sogar von Tag zu Tag. Deshalb halten viele Menschen die Idee eines Geschlechterspektrums für ein viel passenderes Modell, um Geschlecht zu verstehen und zu beschreiben.

Biologisches Geschlecht und Intersexualität

Die Zuschreibung eines Geschlechtes bei der Geburt passiert für gewöhnlich anhand von drei Merkmalen: der äußeren Genitalien, der inneren Reproduktionsorgane und anhand von Hormonen und Chromosomen – meistens ruft das Vorhandensein eines Penis ein aufgeregtes “es ist ein Junge!” hervor, bei einer Vulva “es ist ein Mädchen!”.
Für gewöhnlich wird uns weisgemacht, dass diese drei verschiedenen biologischen Geschlechtsmerkmale immer ganz ordentlich und eindeutig entweder auf das männliche oder das weibliche Geschlecht hinweisen, also, dass alle drei Indikatoren übereinstimmend eindeutig dasselbe Geschlecht ergeben.

Aber diese Reduktion des anatomischen Geschlechtes auf zwei klar abgegrenzte Schubladen ist ein biologistischer Fehlschluss, der die Realitäten von 0,05 bis 1,7 Prozent der Weltbevölkerung völlig ignoriert: intersexuelle Menschen. Bei intersexuellen Menschen können die Genitalien oder die Reproduktionsorgane anders sein, als für gewöhnlich bei einer weiblichen oder männlichen Anatomie erwartet wird, sie haben vielleicht interne und externe Reproduktionsorgane die sonst traditionellerweise zu zwei unterschiedlichen Geschlechtern gehörend angesehen werden, oder ihre Zellen enthalten eine Mischung aus XX und XY-Chromosomen. Intersexuelle Menschen können cisgender sein (also sich mit dem Geschlecht identifizieren, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde) oder transgender (also ein anderes Geschlecht haben als das, welches ihnen bei der Geburt zugewiesenen wurde).

Gender Expression

Genderidentität beschreibt das, was wir innerlich fühlen, gender expression ist das, was für die Außenwelt sichtbar ist und beinhaltet alles, angefangen von der Kleidung, die wir wählen über die Art, wie wir unsere Haare tragen bis hin zu Körpersprache, der Tonfall unserer Stimme und unserer Art, zu sprechen.

Gender expression und Geschlechtsidentität hängen häufig miteinander zusammen, aber das muss nicht so sein.


Other Nature Binder Photoshoot, 2018

Manchmal kann uns die Art, wie eine Person ihr Geschlecht ausdrückt, gar nichts darüber sagen, wie die Person selbst ihr Geschlecht benennt. Zum Beispiel kann sich eine Person, die sich als Frau identifiziert auf traditionell männliche Weise kleiden oder eine Person, die sich als genderfluid versteht, trägt auch mal Röcke und hohe Schuhe.

Über das Geschlechtsspektrum hinweg können Menschen bewusst Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen hinsichtlich des Ausdrucks der Geschlechtlichkeit untergraben und so an der Verknüpfung von Geschlechtsidentität und den äußerlichen Manifestationen von Geschlecht rütteln.

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Gendern, Misgendern und Pronomen

Weil es einfach nicht möglich ist, das Geschlecht einer Person nur aufgrund von äußeren Merkmalen zu erkennen, kann es in manchen Situationen angemessen sein, nachzufragen. Die Frage nach dem Geschlecht kann aber auch zu persönlich oder aufdringlich sein, in so einem Fall könnte es besser und angemessener sein, die Person zu fragen, welche Pronomen sie benutzt. Wenn du einmal eine falsche Annahme über das Geschlecht einer Person oder ihre Pronomen machst, also, wenn du eine Person misgenderst, ist es wichtig, offen und einfach zu akzeptieren, dass sie dich korrigiert, anstatt in die Defensive zu gehen und/oder anzufangen, zu diskutieren.

Transition

Für die meisten Menschen – und zwar unabhängig davon, ob wir trans* oder cis sind – ist es wichtig, dass unsere Geschlechtsidentität von anderen anerkannt wird, damit wir uns gelöst, sicher und respektiert fühlen können. Transmenschen verändern vielleicht etwas an sich, um sich wohler zu fühlen und ihrer Geschlechtsidentität eher zu entsprechen – dieser Prozess wird häufig als Transition bezeichnet. Transition kann heißen, anderen mitzuteilen, welche Pronomen sie benutzen sollen (z.B. sie, er, hir, kein Pronomen – im Englischen gibt es das unbestimmte singuläre “they”), sich einen neuen oder veränderten Vornamen zuzulegen, Hormone zu nehmen (oder Hormonblocker), die Art und Weise, wie das Geschlecht ausgedrückt wird, zu verändern oder sich operativen Geschlechtsangleichungen zu unterziehen.