Selbstuntersuchungen des Gebärmutterhalses/Muttermundes

Mithilfe eines Spekulums, eines Spiegels und einer Taschenlampe kannst du deinen Gebärmutterhals und deinen Muttermund unter die Lupe nehmen

Warum sind Selbstuntersuchungen des Gebärmutterhalses/Muttermundes wichtig?

Selbstuntersuchungen sind nicht nur gut für deine Gesundheit, sondern auch eine empowernde Möglichkeit,  dich mit deinen Genitalien vertraut zu machen. Du kannst sehen, wie dein Gebärmutterhals/Muttermund tatsächlich aussieht, deinen Körper entdecken und besser kennenlernen. Mithilfe von Selbstuntersuchungen kannst du leicht Gewebeveränderungen erkennen, die Beschaffenheit des Gebärmutterhalsschleimes und des Vaginalschleimes beobachten, sowie Veränderungen während des Menstruationszyklus verfolgen und Hinweise auf deine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage sammeln.

Auch eine beginnende Infektion mit Hefepilzen kannst du bei einer Selbstuntersuchung feststellen. Hefepilze im Vaginalbereich sind weit verbreitet. Eine Hefepilzinfektion bedeutet, dass das Gleichgewicht in der Scheidenflora gestört ist und die natürlich vorkommende Hefe sich übermäßig ausbreitet. Die Infektion kann weißen, frischkäseartigen Ausfluss und ein sehr unangenehmes Brennen und Jucken hervorrufen. Eine Hefepilzinfektion kann auf verschiedene Arten behandelt werden, die Bandbreite der eingesetzten Mittel reicht von Heilkräutern über Knoblauch-Vaginalzäpfchen, Joghurt-Duschen oder –zäpfchen bis hin zu Anti-Pilz-Medikamenten aus der Apotheke.



Was genau ist der Gebärmutterhals?

Der Gebärmutterhals ist der, wie der Name schon sagt, Hals, also das schmale untere Ende der Gebärmutter. Der Gebärmutterhals verbindet die Gebärmutter mit der Vagina. In der Mitte des Gebärmutterhalses befindet sich der (innere) Muttermund, durch welches das Menstruationsblut aus der Gebärmutter in die Vagina abfließt, durch den Babies geboren werden und durch den Abtreibungen durchgeführt werden.

Viele Methoden zur Empfängnisverhütung (z.B. das Diaphragma oder Portiokappe) funktionieren als physische Barriere zwischen der Vagina und dem Gebärmutterhals. Diese Barriere hält das Sperma davon ab, in die Gebärmutter zu den Eizellen zu gelangen. Während des Eisprungs hat die Schleimhaut des Gebärmutterhalses eine besondere Struktur und Aussehen.

Selbstuntersuchungen sind kein Ersatz für Pap-Tests

Die Selbstuntersuchung des Gebärmutterhalses ersetzt weder regelmäßige Untersuchungen zur Krebsvorsorge (die Pap-Test genannten Abstriche), noch ersetzt sie, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten testen zu lassen.

Wenn du einen Pap-Test machen lässt, nimmt die Ärztin einen Abstrich von deinem Gebärmutterhals, das heißt, sie entfernt einige Zellen. Diese Zellen werden ins Labor geschickt und unter dem Mikroskop nach Auffälligkeiten, die auf Krebs hindeuten, untersucht.

Die meisten sexuell übertragbaren Krankheiten können bei einer Selbstuntersuchung nicht festegestellt werden. Chlamydien, Gonorrhö (Tripper), HIV/AIDS, Hepatitis und weitere können nur durch eine medizinisch geschulte Fachperson diagnostiziert werden und müssen mit rezeptpflichtigen Medikamenten behandelt werden.

Die Selbstuntersuchung in drei einfachen Schritten:

Du brauchst: einen Handspiegel, eine Taschenlampe und ein Spekulum. Zum leichteren Einführen des Spekulums kannst du bei Bedarf wasser-basiertes Gleitgel benutzen.

Bevor du beginnst, mache dich mit dem Spekulum vertraut: Übe, es zu öffnen und zu schließen und schau dir den Feststellungsmechanismus genau an, damit du es sicher feststellen und wieder lösen kannst.

Führe zuerst einen Finger in deine Vagina ein und taste nach deinem Gebärmutterhals, den du ganz am oberen Ende der Vagina findest, im Allgemeinen nach 7 bis 15 cm. Der Gebärmutterhals kann sich ziemlich hart anfühlen, aber auch weicher und etwas schwammig. Er fühlt sich wie ein kleiner Knubbel an, der in deine Vagina hineinragt.

Setze dich nun bequem auf eine flache Unterlage, in einer leicht zurückgelehnten Position, die Knie angezogen und geöffnet. Deine Fersen berühren sich dabei.

Folgen der 3 Schritte:

1. Führe das Spekulum ein: Befeuchte das vordere Ende des Spekulums (den “Schnabel”, der sich öffnet) mit etwas Gleitgel. Nimm einen tiefen Atemzug und, wenn du ausatmest, entspanne deine Muskeln und führe das Spekulum (mit den Griffen nach oben) in deine Vagina ein.

Führe das Spekulum so tief ein, wie es geht (ohne dass es unangenehm oder schmerzhaft wird), dann presst du die Griffe zusammen, um es zu öffnen, bis du ein Klicken hörst. Das Klicken bedeutet, dass das Spekulum in der geöffneten Position eingerastet ist. Das Spekulum spreizt deine Vagina jetzt auseinander, das wirst du fühlen können.

2. Schau dir alles gut an: Du kannst es jetzt loslassen und mit den nun freien Händen hältst du die Taschenlampe und den Handspiegel. Du kannst entweder direkt in deine Vagina leuchten oder die Taschenlampe auf den Spiegel richten, so dass das Licht in die Vagina reflektiert wird. Am Ende deiner Vagina siehst du deinen Gebärmutterhals. Er sieht aus wie ein kleiner, feuchter Donut.

Der Gebärmutterhals befindet sich nicht immer genau in der Mitte, also wenn du ihn nicht sehen kannst, versuche, das Spekulum in einem anderen Winkel einzuführen. Wenn du ihn nach ein paar Versuchen nicht gefunden hast, versuche es in ein paar Tagen noch einmal. Der Gebärmutterhals bewegt sich während des Menstruationszyklus und ist vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt besser sichtbar.

3. Entferne das Spekulum: Wenn du fertig bist, löse den Feststellungsmechanismus des Spekulums und schließe es wieder. Ziehe es vorsichtig heraus. Wenn du möchtest, kannst du daran riechen und/oder den Schleim daran untersuchen, um mit deinem Körper vertrauter zu werden. Ein säuerlicher Geruch ist normal. Ein etwas fischiger oder hefeartiger Geruch könnte auf eine Infektion hindeuten.



Das ist normal

Dein Gebärmutterhals kann pink und glatt sein oder rötliche Flecken haben. Er kann auch uneben, rauh oder gefleckt sein. Das ist alles normal.

Der Gebärmutterhals kann auch bläulich oder leicht lila gefärbt sein, das hängt für gewöhnlich mit einer höheren Durchblutung zusammen. Etwa 50 Prozent aller Schwangeren haben einen bläulichen Gebärmutterhals. Während der Schwangerschaft sieht der Gebärmutterhals häufig auch angeschwollen und weicher aus und der Muttermund ist weiter geöffnet.

Vielleicht ist der Gebärmutterhals mit Schleim bedeckt oder es tritt Sekret aus dem Muttermund aus. Der Schleim verändert sich während des Menstruationszyklus, er reagiert auf die Hormonausschüttungen während des Zyklus. Gebärmutterhalsschleim kann verschiedene Konsistenzen von zähflüssig/breiig-weiß (nicht fruchtbar) bis hin zu durchsichtig und fädenziehend, wie Eiklar (fruchtbar) annehmen und hat normalerweise kaum Eigengeruch.

Vielleicht befinden sich an deinem Gebärmutterhals mit Flüssigkeit gefüllte kleine Säckchen, die wie Blasen aussehen. Das sind Ovula Nabothi (auf deutsch irrtümlich nach Eizellen benannt). Sie entstehen, wenn die schleimproduzierenden Drüsen des Gebärmutterhalses verstopft sind und stellen kein Problem dar. Bei manchen Menschen kommen und gehen sie, andere haben sie über Jahre hinweg. Sie müssen nicht behandelt werden.

Vielleicht siehst du auch Polypen (Geschwulste). Das sind Gewebewucherungen, die wie an einem Stiel baumeln und aus dem Muttermund hängen. Es kann sein, dass sie leicht zu bluten anfangen, aber sie müssen nicht entfernt werden, solange sie dich nicht stören.  

Das ist nicht normal

Vaginaler Ausfluss oder Ausfluss aus dem Gebärmutterhals ist normal. Ist der Ausfluss aber grün, grau oder dunkelgelb, oder du beobachtest deutliche Veränderungen in der Menge und/oder der Konsistenz des Auflusses und/oder einen starken oder für dich ungewöhnlichen Geruch, dann könnten das Hinweise auf eine Infektion sein.

Wenn du vermutest, eine Infektion zu haben, ist es ratsam, eine Ärztin aufzusuchen. Infektionen wie Chlamydien oder Gonorrhö könnnen später ernste Probleme hervorrufen, wenn sie unbehandelt bleiben. Andere Beschwerden können mit natürlichen Heilmethoden behandelt werden.

Zu lernen, was normal für dich und deinen Körper ist, ist der Hauptgrund und Zweck von Selbstuntersuchungen. Wenn du weißt, was für deinen Körper normal ist, erkennst du, wenn etwas ungewöhnlich ist.

Diese Informationen wurden von der Webseite des Feminist Women's Health Center übernommen und angepasst. (www.fwhc.org)